Das Lied von den zwei Pferden





Deutschland 2009

Regie und Buch: Byambasuren Davaa

Darsteller: Urna Chahar-Tugchi, Hicheengui Sambuu, Chimed Dolgor

Länge: 91 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Dokumentarfilm mit deut. Untertiteln

Ein Versprechen, eine alte, zerstörte Pferdekopfgeige und ein verloren geglaubtes Lied führen die Sängerin Urna in die Äußere Mongolei zurück. Ihre Großmutter musste einst ihre geliebte Geige in den Wirren der chinesischen Kulturrevolution zerstören. Auf dem Geigenhals war das uralte Lied der Mongolen, "Die zwei Pferde des Dschingis Khan" eingraviert. Nur Hals und Kopf der Geige überlebten den Kultursturm. Nun ist es an der Zeit, das Versprechen, das Urna ihrer Großmutter gab, einzulösen. Angekommen in Ulaanbaatar bringt Urna die noch erhaltenen Teile der Geige, Kopf und Hals, zu Hicheengui, einem bekannten Pferdekopfgeigenbauer. Er wird dem alten Instrument in den nächsten Wochen einen neuen Körper bauen. Danach bricht Urna ins Hinterland auf, um dort die fehlenden Strophen des Lieds zu suchen. Es wird eine beschwerliche Reise: Der Bus, in dem sie mitfährt, bleibt im Schlamm stecken. Zudem muss Urna ernüchtert feststellen, dass keiner der Menschen, denen sie begegnet, die alte Weise der Mongolen zu kennen scheint. Schließlich führt eine Spur Urna zu einem Schamanen, einem spirituellen Mittler zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt. Kann er Urna den Weg zu diesem Lied, zu sich selbst, weisen?
 
 

Jurybegründung

Prädikat besonders wertvoll
Die Jury schließt sich dem Gutachten des Bewertungsausschusses in weiten Teilen an, kommt aber bezüglich des Prädikates zu einem anderen Ergebnis. Hier handelt es sich um einen wunderschönen, schnörkellosen, sehr eindringlichen Film von zärtlicher Poesie, der sich gekonnt der Rettung des kulturellen Erbes eines Volkes mit großer Tradition und Weltgeschichte verschrieben hat. Hier wird anschaulich erzählt, dass auch andere Völker leidvoll Trennung und Vertreibung ertragen haben und noch immer erdulden müssen, wobei deutlich wird, dass deren frühere Herrscher - wie Dschingis Khan - der Anwendung von Gewalt gegenüber anderen Völkern sehr zugetan waren.

Der Film selbst bewahrt einzigartige Blicke auf historische Dokumente vor atemberaubenden Landschaften, die nach Drehende bei politisch motivierten Unruhen an den Originaldrehorten unwiederbringlich zerstört wurden. Dabei hat der Film in Form eines Roadmovies die seltene Gabe, die Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm bis zur Unkenntlichkeit zu verwischen, was die höchste Ehre einer filmischen Glaubwürdigkeit darstellt und nicht höher gepriesen werden kann. Hierzu trägt auch die als mongolische Sängerin perfekt besetzte Hauptdarstellerin bei. Dieser Film sollte in der Filmbibliothek des Unesco-Weltkulturerbes ebenso wenig fehlen, wie zum Standardprogramm des Schulkinos zum Thema „Trennung und Vertreibung“ gehören.
 
 Homepage  Startseite