Pina Bausch TANZTRÄUME

Jugendliche tanzen "Kontakthof"
von Pina Bausch (* 27. Juli 1940 in Solingen; † 30. Juni 2009 in Wuppertal)


Deutschland 2009

Regie und Buch: Anne Linsel


Länge:   89 min Minuten FSK: ab 6 J

Die 2009 leider viel zu früh verstorbene Tänzerin, Choreographin und Tanzlehrerin Pina Bausch erfand vor vielen Jahren das tänzerische Spiel „Kontakthof“, ein Ballett von den menschlichen Befindlichkeiten handelnd: von der Liebe, vom Weinen, vom Lachen, von der Angst, dem Zorn und der Aggression, von der Brutalität, von der Naivität, von der Scham, kurz, von der ganzen Skala menschlicher Gefühle.

Das Stück wurde viele Male aufgeführt und auch, das ist das Besondere, über Generationsgrenzen hinweg choreographiert. Es gab beispielsweise eine Version mit „Tänzern“ ab 65.

Dieses Mal waren die Jugendlichen an der Reihe, die 14- bis 17jährigen. Die Schulform, die Herkunft, die Rasse oder die Farbe spielte keine Rolle.

Ein Jahr lang dauerten die Proben, Die beiden Probenleiterinnen leisteten gute Arbeit. Unter den Jugendlichen wuchs eine Gemeinschaft heran. Ab und zu kam Pina Bausch selbst zu den Proben.

Mit unbeholfenen Bewegungen fing es an. Dann, allmählich, wuchsen die Jungen und Mädchen in den „Kontakthof“ hinein. Einfach war es für sie jedoch nicht. Wie steigt man von der Disco-Tanzerei auf das Ballett um? Wie berührt man sich? Wie überwindet man seine Scheu, wie seine Scham?

Mit der Zeit sind die Fortschritte unverkennbar. Diejenigen, die Hauptrollen spielen bzw. tanzen dürfen, treten hervor. Die anderen bescheiden sich, rücken in die zweite Reihe, ins corps de ballet.

Die Geduld der Probenleiterinnen ist unendlich. Harte Arbeit.

Die Jugendlichen erzählen auch: von ihrem Familien, vom Tod eines Vaters, vom Krieg auf dem Balkan, vom wachsenden Selbstbewusstsein, von der zunehmenden Freude an dem Tanzprojekt.

Die Zeit drängt. Kostümproben, Generalprobe, nur noch zwei Tage Zeit bis zur Premiere.

Dann die Aufführung, der Erfolg, der Applaus, die Erlösung. Nicht wenige Freundschaften wurden in der neuen Gemeinschaft geschlossen.

Eine schöne Sache und ein menschlich rührender Dokumentarfilm. Ein Blick auf Jugendliche, die hoffen lassen (im Gegensatz zu den in den Medien breit getretenen jugendlichen Gewalttaten).

Formal einfach, mit wechselnden Themenschwerpunkten und gründlich wird alles erzählt. Langsam beteiligt man sich innerlich – und kann sich sogar über den Film freuen.

Für am Thema, an den Jugendlichen und am modernen Tanz Interessierte ein Gewinn.

Thomas Engel
 
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